Streuobstwiese

Immaterielles Kulturerbe

Was ist ein Immaterielles Kulturerbe?

Immaterielle Kulturerbe sind kulturelle Ausdrucksformen, die unmittelbar von menschlichem Wissen getragen und von Generation zu Generation weitergegeben und weiterentwickelt werden. Bezeichnend für dieses Kulturerbe ist sein immaterieller Charakter: Im Vergleich zu unbeweglichen Bauten und beweglichen Gegenständen ist das Immaterielle Kulturerbe nicht anfassbar, sondern an den Menschen gebunden und wird durch das Engagement seiner Träger lebendig gehalten.

Wieso ist Streuobst ein Immaterielles Kulturerbe?

Streuobstlandschaften als Äcker, Wiesen oder Alleen mit hochstämmigen, großkronigen Obstbäumen wurden nicht einfach aufgebaut wie ein Gebäude. Sie sind aus einer landwirtschaftlich-kulturellen Entwicklung entstanden und damit direkt an menschliches Wissen gebunden. Die Anlage, Bewirtschaftung und Pflege von Streuobstwiesen, das Züchten von Obstsorten und die Ernte sowie Verarbeitung des Obstes beruhen auf umfangreichem Erfahrungswissen im Umgang mit der Natur. Neben kulturellen Ausdrucksformen wie Erntefesten und -ritualen wurden über Jahrhunderte hinweg spezielle Handwerkstechniken z.B. zur Pflege von Streuobstbäumen entwickelt und verfeinert.

Dieses Erfahrungswissen und die traditionellen Handwerkstechniken drohen vielerorts verloren zu gehen. Somit ist ein reiner Objektschutz von Streuobstbeständen wirkungslos, wenn nicht auch das Wissen um kontinuierliche Erhaltung und Anpassung von Streuobstbeständen geschützt und an künftige Generationen weitervermittelt wird.

Die kulturellen Eigenschaften von Streuobst stimmen mit den UNESCO-Kriterien in folgenden Punkten überein:

  • Wissen und Bräuche in Bezug auf die Natur und das Universum
  • Traditionelle Handwerkstechniken
  • Bräuche, Rituale und Feste

Was ist der Nutzen einer Anerkennung als Immaterielles Kulturerbe?

Bereits der Prozess der Antragstellung und die Erarbeitung des Antrags unter Beteiligung aller Streuobst-Akteure wird zu einer stärkeren Vernetzung der Streuobst-Bewirtschafter führen und den Gemeinsinn derselben stärken. Darüber hinaus ist die Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes bzw. die Liste der UNESCO eine öffentlich sichtbare Anerkennung der kulturellen Ausdrucksform und würdigt das große Engagement aller Streuobstwiesenfreunde.

Die öffentliche Aufmerksamkeit trägt dazu bei, das Bewusstsein der Öffentlichkeit über die Bedeutung von Streuobst für unsere Kulturgeschichte, das Verarbeitungshandwerk oder die Sortenvielfalt zu stärken. Außerdem kann sie auch dazu genutzt werden, die Lebendigkeit unsere Kulturform zu erhalten.

Eine Anerkennung als Immaterielle Kulturerbe stärkt das Selbstbewusstsein der Streuobst-Community, vermittelt ein Gefühl von Zugehörigkeit und bietet somit Boden für weitere Projekte, Kooperationen und Vernetzung von Streuobstakteuren.

Wieso stellt Hochstamm Deutschland e.V. diesen Antrag?

Die Idee, Streuobst auf die Liste des Immateriellen Kulturerbes zu bringen, entstand bereits vor vier Jahren beim Landesweiten Streuobsttag Baden-Württemberg 2015. Wir haben diese Idee seitdem im Rahmen der Streuobsttage z.B. über einen eigenen Newsletter weiter getragen und diskutiert. Hochstamm Deutschland e.V. ist teilweise aus der Vernetzung der Streuobsttage entstanden und hat in diesem Jahr die Initiative ergriffen, die Antragstellung als bundesweites Kooperationsprojekt zu organisieren.

Wir setzen uns für den Schutz, Erhalt und die Weiterentwicklung der Hochstamm-Streuobstbestände ein und sind davon überzeugt, dass die Anerkennung als Immaterielles Kulturerbe dazu beitragen kann. Unser Ziel ist es, möglichst viele Streuobst-Akteure in die Antragserarbeitung einzubinden und über verschiedene Kanäle der Öffentlichkeitsarbeit zu informieren. Der Antrag soll somit gemeinsam mit den Trägern des Kulturerbes offen erarbeitet werden.

Wie kann ich mich konkret an der Antragstellung beteiligen?

Wir informieren Sie regelmäßig über unseren Newsletter und auf unsere Homepage über Möglichkeiten zur Mitarbeit und über die konkreten Inhalte des Antrags (Eintragung unter www.hochstamm-deutschland.de/#kulturerbe

Interessierte Unterstützer können über die Zusendung von geeignetem Material (Beiträge, Literatur, Forschungsergebnisse etc.) an der Erarbeitung des Antrages mitwirken. Weitere Infos dazu und die entsprechenden Kontaktdaten erhalten Sie in Kürze.

Wenn Sie die Idee „Streuobst als Immaterielles Kulturerbe“ mittragen und Teil einer starken Gemeinschaft werden wollen, haben Sie verschiedene Möglichkeiten zur Beteiligung und Unterstützung:

  • Sie können natürlich jederzeit Mitglied werden beim gemeinnützigen Verein Hochstamm Deutschland e.V. werden.
  • In Kürze starten wir eine digitale Unterstützerliste, auf der sich Einzelpersonen oder Gemeinschaften/Gruppen/Vereine, zur Unterstützung des Vorhabens eintragen können
  • Im Rahmen eines Fotowettbewerbs wird demnächst geeignetes Bildmaterial für den Antrag gesammelt

Informationen zur Unterstützerliste, dem Fotowettbewerb sowie der konkreten Antragserarbeitung erhalten Sie in Bälde hier auf der Homepage oder über unseren Newsletter.