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Obstbäume am Straßenrand: Eine Anleitung
Gut gepflegt und mit ausreichend Platz sind sie Streuobstbäume ein wunderschöner Anblick. Oft stehen an Landstraßen aber auch Obstbäume mit großen Wunden, die auf der Straßenseite stark zurückgeschnitten sind. Ist der Straßenrand überhaupt der richtige Standort für Obstbäume? Diese Frage, beantwortet Dr. Olaf Anderßon, Vorsitzender des Vereins Lüneburger Streuobstwiesen e.V., im Themenblatt „Erziehung und Pflege von Obstbäumen als Straßenbaum“.
Ein guter Straßenrand: starker aufrechter Wuchs und kleine Früchte
In seinem Themenblatt plädiert Dr. Anderßon dafür, sich vor der Pflanzung eines Baumes ausreichend Gedanken darüber zu machen, welche Baumart und welche Sorte an diesem Standort passend sind: „Nur wenn genügend Platz für die Krone eines Obstbaumes (je nach Sorte sechs bis zwölf Meter Durchmesser) am Straßen- oder Wegesrand zur Verfügung steht, sollten Obstbäume gepflanzt werden“. Birnen-, Pflaumen- und Apfelsorten mit aufrechtem, starkem Wuchs sowie kleinen Früchten sind zu bevorzugen.
Tipps für die Erziehung von Straßenobstbäumen
Um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten, ist über Straßen ein Lichtraumprofil (ein freier Bereich über der Straße) von 4,5 Metern einzuhalten. Um dieses Ziel bei der Erziehung eines jungen Obstbaumes zu erreichen, gibt das Themenblatt folgende Tipps:
- Bevor sich in der gewünschten, richtigen Höhe bleibende Leitäste entwickeln (=permanente Krone), Äste nur für eine gewisse Zeit belassen (temporäre Krone)
- Starke Äste, die nicht Leitäste werden, bereits frühzeitig entnehmen. Das verhindert große Wunden zu späterem Zeitpunkt.
- Schwächere Äste zur Blattmassebildung und für ein Dickenwachstum belassen.
- Es sollten nie mehr als zwei Schnitte auf einer Verastungsebene erfolgen
- Leitäste erst ziehen, wenn die Höhe des Lichtraumprofils erreicht ist.
- Straßenseite: Astansatz mindestens 3,5 m bis 4 m
- Andere Seite: mindestens 2,5 m bis 3 m
- Die Leitäste sollten nicht in Richtung Straße zeigen. Eine Längskrone mit weniger Leitästen, die parallel zur Straße verlaufen kann vorteilhaft sein.
- Der Ansatz der Leitäste sollte steiler sein, als auf der Streuobstwiese (< 45°). Parallel zur Straße dürfen sie auch etwas flacher sein.
- Jungbäume sollten jedes Jahr geschnitten werden.
- Die Pflege sollte für die ersten 15 bis 25 Jahre gewährleistet sein.
Umgang mit bereits vorhandenen Straßenobstbäumen
Oft sind Obstbäume an Straßen in der Jugendphase falsch oder nicht erzogen worden. Sie haben teilweise viel zu niedrige Leitäste, die in Richtung Straße ragen. Was tun? Sind die störenden Äste dünner als 8 cm, ist es möglich, sie zu entfernen. Baumpfleger entziehen ihm mit dem sogenannten Schlankschnitt über mehrere Jahre Blattmasse und verringern damit sein Dickenwachstam. Der Baum bildet dadurch einen stärkeren Astring (Abschiedskragen). Mit der Zeit ist es dann möglich, den gesamten Ast zu entnehmen. Ist der Ast dicker als 10 cm sollte der Ast nicht mehr vollständig entnommen werden. Er wird über mehrere Jahre hinweg zurückgenommen. Langfristig verbleibt ein Aststummel von 30 bis 50 cm im Baum, der mit Schwachholz begrünt ist. Baumpfleger kontrollieren diesen Ast regelmäßig, damit sich kein neuer dominanter Ast entwickelt.
Was tun mit einem sterbenden oder toten Baum?
Haben zu starke Schnitte oder Astausbrüche schon zu Höhlenbildung am Baum und einem langsamen Absterben geführt, bildet er noch ein wertvolles Habitat für Tiere und Pilze. Er sollte daher stehen bleiben. Durch Schnitte, die eine tragfähige Statik erzielen, ist die Verkehrssicherheit gewährleistet.
Fazit
Die richtige Baumauswahl und eine fachgerechte Erziehung sind entscheidend für einen schönen, langlebigen Straßenobstbaum. Große Äste sollten sich nur dort entwickeln, wo sie sich entfalten können. So lassen sich auch große Wunden verhindern. Auch ältere Bäume lassen sich von Fachleuten noch optimieren und abgängige und tote Bäume sind wertvoll als Lebensraum.
Quelle
Dr. Olaf Anderßon (2021). Erziehung und Pflege von Obstbäumen als Straßenbaum“, Lüneburger Streuobstwiesen e.V., Version 2.1, Themenblatt 11.
Das Themenblatt ist hier nachzulesen.
