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Meinungslandschaft: Preisbarometer Streuobst aus Perspektive der Keltereien: „Die Medaille hat zwei Seiten!“
Hintergrund
Welche Kelterei oder welcher Abnehmer wie viel zahlt - kaum einer hat den Überblick. Abhilfe soll das bundesweite Streuobst-Preismonitoring von Hochstamm Deutschland e.V. namens „Preisbarometer Streuobst“ schaffen. Das Ergebnis des Testlaufs der Erntesaison 2021 veröffentlichten wir Anfang des Jahres (Link). Auch in den folgenden Jahren soll das Monitoring weiter fortgeführt und professionalisiert werden.
In Reaktion darauf wandten sich Gitta und Lothar Falter von der Geschäftsführung der Falter Fruchtsaft GmbH in Heddesbach (Odenwald) an den NABU, der unsere Ergebnisse zum Preisbarometer abdruckte, mit der Leserpost „Die Medaille hat zwei Seiten“, erschienen im Streuobst-Rundbrief 1/2022 auf den Seiten 10 und 11. In ihrer Kritik am Preisbarometer Streuobst erläutern Sie die Zusammensetzung des Abnahmepreises aus Perspektive einer Kelterei und betonen nicht zuletzt, dass das finale Produkt mehr Wertschätzung in der Gesellschaft und eine angemessene Bezahlung erfahren muss.
Hochstamm Deutschland e.V. bedankt sich bei Gitta und Lothar Falter für ihre Initiative und die aufklärenden Worte! Wir werden am Konzept des Preisbarometers als informativen Indikator festhalten, aber gleichzeitig stärker die Perspektive der Keltereien berücksichtigen und kommunizieren. Dabei wird insbesondere der Wert der Streuobstprodukte eine Rolle spielen.
Leserpost
„Sehr geehrte Damen und Herren,
wir nehmen Bezug auf den Artikel „Wer zahlt wie viel fürs Mostobst?“ [Pressemitteilung von Hochstamm Deutschland e.V.] im NABU Streuobst Rundbrief 4/2021, Seite 4. Dort stellen Sie das Preisbarometer Streuobst vor. Grundsätzlich verstehen wir das Anliegen, die Annahmepreise transparenter zu machen, und den Verbrauchern eventuelle Unterschiede darzustellen. Doch ist uns die reine Darstellung und die immer wiederkehrende Kritik über den niedrigen Annahmepreis für Streuobstäpfel viel zu eindimensional.
Der reine Focus auf den Preis stellt in keinster Weise die Situation der Keltereien dar.
Die angelieferten Äpfel müssen auf einem hohen, standardisierten und lebensmittelhygienisch anspruchsvollem Niveau verarbeitet werden. Das Aussortieren fauler und ungeeigneter Äpfel geht mit einem hohen Einsatz an händischer Arbeit einher. Der Saft muss nach der Verarbeitung entweder in Flaschen abgefüllt, oder erhitzt und eingelagert werden. Diese Prozesse sind energie- und personalintensiv. Über die dabei herrschenden Kosten wie die hohen Energiepreise und den Mindestlohn brauchen wir aktuell vermutlich nichts zu sagen.
All das muss bereits beim Annahmepreis berücksichtigt werden. Das größte Problem ist allerdings, dass wir zwar lokal beheimatet sind, die Äpfel unserer Anlieferer hochwertige Streuobstäpfel sind, aber die Preise für unseren Apfelsaft leider keineswegs in dem Maße abgebildet werden können, wie es nötig wäre. Denn der Preis für den regionalen Saft orientiert sich in unserer globalen Welt am Niveau des Weltmarktpreises. Der Weltmarkt an Apfelsaft wird dominiert von Billiglohnländern wie dem Iran, Polen und Tschechien.
Mit diesen Preisen müssen wir mithalten können. Die Gleichung, hoher Annahmepreis für die Rohware und billige Abgabe von Apfelsaft, geht betriebswirtschaftlich aber leider nicht auf.
Sie merken selbst, die Ansprüche der Anlieferer kollidieren mit der Realität der globalen Preispolitik.
Lokale Keltereien, meist inhabergeführte Unternehmen in mehreren Generationen, sind keineswegs gierige, für die Ware schlecht zahlende Raffzähne. Wir würden liebend gerne höhere Anlieferpreise zahlen, wenn dann das anschließende Produkt ebenfalls wertgeschätzt und angemessen bezahlt werden würde.
Die Wertschöpfung der lokalen Lieferkette und Wertschätzung des Lebensraumes und Kulturgut Streuobstwiese liegt uns ebenso am Herzen wie den Menschen und Familien, die die Äpfel und Birnen mühsam in Handarbeit aufsammeln und zu uns bringen. Immerhin leben und arbeiten wir inmitten dieser besonderen Landschaft und ihr Erhalt ist uns ebenso wichtig wie Ihnen. Wir sitzen allerdings auf der anderen Seite und stehen in Verantwortung für die Verarbeitung der lokalen Ernte und unseren Mitarbeitern, denen wir in einer strukturschwachen Gegend Arbeitsplätze bieten.
Statt also immer auf dem Annahmepreis für Mostobst hinzuweisen, sollten Sie Ihren Lesern auch die globalen Zusammenhänge erklären und vor allem immer und immer wieder und in jedem Rundbrief wiederholend, den Konsum regionaler Streuobstapfelsäfte ans Herz legen. Denn nur durch den Konsum werden die regionalen Keltereien gestärkt. Da brauchen wir die Solidarität der Verbraucher, dann brauchen wir den Apfelsaft nämlich nicht zu Weltmarktpreisen zu verscherbeln. Damit ist allen gedient.
Noch dazu bieten viele Keltereien den Kunden an, die angelieferten Äpfel in ein Lohnmostguthaben umzuwandeln, dann kann man zwei Jahre nach Anlieferung noch Apfelsaft zum Verarbeitungspreis erstehen, das ist ein lohnendes und kostengünstiges Modell, gerade für Familien. Lohnmostgutscheine kann man z.B. auch wunderbar verschenken an Kindergärten, Altenheime etc.
Wir hoffen, Sie verstehen unsere Kritik als Anregung, nicht immer nur Kelterei-Bashing zu betreiben, sondern über den Tellerrand zu schauen und den Blick zu schärfen für die bestehenden Probleme der „anderen Seite“. Dann kommen wir zusammen in unserem eigentlich gemeinsamen Ziel, nämlich dem Erhalt des Lebensraumes Streuobstwiese.
Mit freundlichen Grüßen,
Gitta Falter und Lothar Falter“
Kontakt:
Geschäftsführer Falter Fruchtsaft GmbH
Harfenburgweg 17
69434 Heddesbach
Tel.: 06272 / 9212-0
info@falter-fruchtsaft
