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Rückblick auf Podiumsdiskussion: Wege zu mehr Agroforstwirtschaft
„Mit dem Begriff Agroforstwirtschaft werden Landnutzungssysteme bezeichnet, bei denen Gehölze (Bäume oder Sträucher) mit Ackerkulturen und/oder Tierhaltung so auf einer Fläche kombiniert werden, dass zwischen den verschiedenen Komponenten ökologische und ökonomische Vorteilswirkungen entstehen.“, so die Definition der Agroforstwirtschaft des Deutschen Fachverbandes für Agroforstwirtschaft (DeFAF) e.V. nach Nair 1993.
Typisch für alle drei Arten der Agroforstsysteme sind bewusst genutzte Wechselwirkungen zwischen Gehölz- und Ackerkulturen:
- Bäumen mit Ackerkulturen (silvoarable Systeme),
- Bäumen mit Tierhaltung (silvopastorale Systeme) und
- Bäumen mit Ackerkulturen und Tierhaltung (agrosilvopastorale Systeme)
Der Bekanntheitsgrad der Agroforstwirtschaft ist aktuell zwar zunehmend, trotzdem ist der Begriff noch nicht weit verbreitet. Diesbezüglich kamen WissenschaftlerInnen und ExpertInnen im Rahmen der Ringvorlesung „Agroforst Landwirtschaft braucht Zukunft“ an der Universität Göttingen zusammen. Am Donnerstag, dem 23.01.2020 fand die letzte Vorlesung unter dem Titel „Wege zu mehr Agroforstwirtschaft“ statt.
Herr Friedrich Selter (Superintendanten des ev.-luth. Kirchenkreises Göttingen) leitete die Runde den aus fünf Experten und Expertinnen:
- Dr. Ludwig Theuvsen (Abteilungsleiter für Landwirtschaft, Agrarpolitik und Nachhaltigkeit im Niedersächsischen Ministerium)
- Anja Chalmin (Deutsche Fachverband für Agroforstwirtschaft (DeFAF))
- Eberhard Prunzel-Ulrich (stellvertretender Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft (AdL))
- Paul Hofmann (Agroforstplaner und angehender Praktiker)
- Christoph Meixner (Gründungsmitglied des DeFAF, Projektkoordinator des im Landkreis Göttingen ansässigen Streuobst e. V. und Agroforstplaner bei TRIEBWERK)
Die aktuelle Lage der Agroforstwirtschaft in Deutschland war der Ausgangspunkt der Diskussion. Bis auf die traditionell-historischen Agroforstsysteme Streuobst oder Hutewald gibt es in Deutschland fast ausschließlich Energieholzplantagen. Dazu nehmen auch die sogenannten Kurzumtriebsplantagen (KUP) einen sehr geringen Flächenanteil ein.
Demgegenüber kristallisierten sich in dem verbalen Austausch aber die zahlreichen Vorteile der Agroforstwirtschaft heraus, insbesondere bezüglich des Klimawandels und der abnehmenden Artenvielfalt. Im Gegensatz zu Deutschland erfahren die Agroforstsysteme in Frankreich und der Schweiz aktuell Zuwachs. Die ausbleibende Zunahme hierzulande begründe sich daraus, dass Deutschland die EU-Förderung nicht umsetze, so Anja Chalmin (DeFAF). Bis auf Streuobst hat Deutschland noch keine einheitlichen gesetzlichen Regulierungen sowohl für die Definition von Agroforstsytemen, als auch für die damit einhergehend Finanzierung geschaffen. Benötigt würden außerdem Weiterbildungsmöglichkeiten für Personen aus den verschiedenen Bereichen, sei es in der Praxis, an Schule und Universität oder in der Politik und in Behörden.
Die meisten Agroforstsysteme in Deutschland sind bisher aus Eigenmotivation heraus entstanden. Die Zukunft der Agroforstwirtschaft hängt primär von der Ausgestaltung der zukünftigen Agrarförderung ab.
Weitere Informationen zum Thema:
-> Podiumsdiskussion in Göttingen zum Thema Agroforstwirtschaft
-> Was ist Agroforstwirtschaft?
-> Triebwerk: Regenerative Landwirtschaft
Quellen:
Streuobstwiesenbündnis Niedersachsen (2020): https://www.streuobstwiesen-buendnis-niedersachsen.de/artikel?articleId=78460
Deutscher Fachverband für Agroforstwirtschaft (DeFAF) e.V. (2020): https://agroforst-info.de/agroforstwirtschaft/
