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Studie zur Artenvielfalt: Starker Rückgang der wandernden Insekten
Die globale Artenvielfalt ist bedroht. Doch obwohl verschiedene Programme dagegen ankämpfen, gehen Expertinnen und Experten die Maßnahmen nicht weit genug. Kürzlich sorgte eine Studie der Forschungsstation Randecker Maar in Baden-Württemberg für Schlagzeilen.
50-jährige Untersuchungen an migrierenden Schwebfliegen, Waffenfliegen und Schlupfwespen belegen extreme Rückgänge
Das Randecker Maar liegt am Rand der Schwäbischen Alb und ist ein ehemaliger Vulkanschlot. Auf einer Breite von über sechs Kilometern ziehen Vögel und Insekten von Nord nach Süd und werden beim Durchflug erfasst. An der dortigen Forschungsstation haben sich in den letzten 50 Jahren über 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Rahmen von jährlich rund 100 Tagen dauernden Arbeits- und Forschungsprogrammen beteiligt. In diesem Jahr wurde schließlich eine zugehörige wissenschaftliche Studie unter dem obenstehenden Titel veröffentlicht. Diese zeigt den starken Rückgang der wandernden Insekten auf der Schwäbischen Alb, davon seien insbesondere Schwebfliegen, aber auch Waffenfliegen und Schlupfwespen betroffen. Den Verweis zur Studie finden Sie am Ende dieses Artikels.
Notwendige Maßnahmen zum Erhalt der Artenvielfalt in Baden-Württemberg
Umweltminister Franz Untersteller äußerte sich sehr besorgt: „Ohne Artenvielfalt ist kein Leben vorstellbar, deshalb gehen wir diese Menschheitsaufgabe im Land schon seit Jahren sehr konsequent an. Wir haben unsere Ausgaben für den Naturschutz seit 2011 auf mittlerweile über 100 Millionen Euro mehr als verdreifacht.“ Ebenso werde das Sonderprogramm für die Stärkung der biologischen Vielfalt mit weiteren 36 Millionen Euro für die Jahre 2020/2021 fortgesetzt. Die Landesregierung entwickelte außerdem gemeinsam mit Naturschutz und Landwirtschaft das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ weiter. Nun ist es mit einem – auch bundesweit in dieser Form einmaligen – Biodiversitäts-Stärkungsgesetz gesetzlich verankert. In diesem Zuge solle die biologische Vielfalt und die zu ihrem Erhalt unverzichtbare bäuerliche Landwirtschaft gestärkt werden, so Minister Untersteller. Demgegenüber fordern bisweilen einige Expertinnen und Experten einen weitgehenden Ausbau des Artenschutzgesetztes. Der Umweltminister betont allerdings, dass das Land auch auf die Unterstützung des Bundes und der EU angewiesen sei: „Halbherzige Vereinbarungen wie zuletzt zur Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) bringen uns Menschen und den Insekten nichts. Es ist dringender denn je, dass die EU und ihre Mitgliedsstaaten, bei uns also die Bundesregierung, die Förderung endlich an ökologische Standards ausrichtet und dass Landwirtinnen und Landwirte für ökologisches Wirtschaften künftig belohnt werden.“
Blick über die Landesgrenze: Der Global Biodiversity Outlook
In diesem Jahr veröffentlichte darüber hinaus die Vereinten Nationen (UN) ihren „Global Biodiversity Outlook“. Das Sekretariat des globalen Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD) informiert dort regelmäßig über internationale Fortschritte beim Artenschutz. Der neueste Bericht zeigt, dass die Ziele, die weltweit für 2020 gesetzt worden sind, weit verfehlt wurden.
Weitere Informationen:
- Zur Forschungsstation Randecker Maar e.V.
- Zur Studie: 50-jährige Untersuchungen an migrierenden Schwebfliegen, Waffenfliegen und Schlupfwespen belegen extreme Rückgänge (Diptera: Syrphidae, Stratiomyidae; Hymenoptera: Ichneumonidae)
- SWR-Beitrag: „Insektensterben in Baden-Württemberg noch massiver als gedacht“
- Zum „Global Biodiversity Outlook“
Quellen:
Eugen Ulmer KG (2020): https://www.obst-und-garten.de/Starker-Rueckgang-der-wandernden-Insekten,QUlEPTY3MTM0MTEmTUlEPTEwMDAx.html
Gatter, W., Ebenhöh, H., Kima, R., Gatter, W., Scherer, F. (2020): 50-jährige Untersuchungen an migrierenden Schwebfliegen, Waffenfliegen und Schlupfwespen belegen extreme Rückgänge (Diptera: Syrphidae, Stratiomyidae; Hymenoptera: Ichneumonidae). In: Entomologische Zeitschrift mit Insekten-Börse, 130/2020, S. 131-141.
UN-Dekade Biologische Vielfalt Geschäftsstelle, nova-Institut GmbH (2020): https://www.undekade-biologischevielfalt.de/aktuelles/aktuelle-meldungen/newsletter/rubriken/article/global-biodiversity-outlook-5-bericht-ueber-den-globalen-zustand-der-artenvielfalt-veroeffentlicht/
Bildunterschrift: Die nach Norden offene Reuse für nach Süden ziehende Insekten während der stündlichen Kontrolle (Foto: Wulf Gatter, 20.IX.2019). Quelle: Gatter et al. 2020, S. 133
